Aram Bartholl
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Chat
social intervention
2007-2009

















Chat at Ars Electronica 2007






















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Das Projekt Chat ist eine performative mobile Installation, die jeweils von zwei Personen bespielt werden kann. Ähnlich wie in World of Warcraft oder Second Life unterhalten sich die beiden TeilnehmerInnen per Tastatur in Form von kurzen Textnachrichten. Die geschriebene Nachricht wird jeweils über dem Kopf der AutorIn, sofort nachdem sie eingegeben wurde, auf eine Sprechblase projiziert. Die Projektionsfläche in Form einer Sprechblase wird mit Hilfe von Teleskopstangen inklusive Miniaturprojektoren von einem Techniker hinter dem „Sprecher“ hergetragen. Dieser kann sich dank einer drahtlosen Tastatur, welche vor dem Körper befestigt ist, frei im Außen- oder Innenraum bewegen und sich auf die schriftliche Konversation konzentrieren. Sich übers Internet mit kurzen Textnachrichten, die meist in schneller Frage/Antwortfolge geschrieben werden, zu „unterhalten“, hat eine lange Tradition. Sogenannte IRC (Internet Relay Chat)-Server mit Tausenden von „Chaträumen“, den Chat Channels, gibt es schon seit den 1970er Jahren. Zu „chatten“ hat sich über die Jahre als ein nicht mehr wegzudenkender Kommunikationsstandard auf den unterschiedlichsten Softwareplattformen, Diensten und Endgeräten etabliert. Diese Art des Kommunizierens birgt in seiner so reduzierten Form der Unterhaltung eine ganz eigene Qualität und hat eine Vielzahl von Neuerungen wie z. B. die Emoticons :-) hervorgebracht. Auch die inzwischen sehr verbreitete Sprachkommunikation über das Internet hat den Chat nicht verdrängt, sondern wird eher durch ihn ergänzt. In den 3D-Welten war das Chatten als Kommunikationsform von Anfang an dabei. Im Gegensatz zu den ortlosen, abstrakten Chat-„Räumen“ wurde hier wieder eine räumliche Dimension eingeführt. Aus dem reinen Textfenster herausgelöst, erscheint die getippte Nachricht in einer Sprechblase über dem Kopf des Avatars und verfolgt die Figur der SpielerIn auf deren Weg durch die virtuelle Welt. Alle MitspielerInnen in einem gewissen Umkreis können diese Nachricht lesen und wiederum mit einer eigenen Sprechblase antworten.

Die Intervention Chat übersetzt diese Form der Unterhaltung aus der 3D-Welt direkt in den physischen öffentlichen Raum. Die schriftliche Unterhaltung wird für die Mitmenschen weithin lesbar. Jede Nachricht bleibt mehrere zehn Sekunden lang auf der Sprechblase sichtbar, bis ein neuer Satz eingetippt wird.Was passiert, wenn eine Unterhaltung zweier Personen so öffentlich wird? In welchem Verhältnis stehen das geschriebene und das gesprochene Wort? Wie beeinflussen uns die fortschreitenden technologischen Entwicklungen in unserer zwischenmenschlichen Kommunikation?

Chat wurde von der Ars Electronica 2007 produziert und während des Festivals an verschiedenen Orten eingesetzt.

Dank an das AEC-Produktionsteam, unter anderem: Martin Honzik, Carola Unterberger Probst und Dietrich Killer. Dank an das support team und alle Beteiligten.

Dank an das Futurelab für tech support und an Roland Haring für die Chat programmierung.


Mehr Fotos auf flickr:

- Ars Electronica 2007
- Chaos Communication Congress 24c3
- Club Transmediale 2008


Aram Bartholl 2007
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